Gammel Aalbo Oktober 2021

Nachdem es schwierig war, zu Coronazeiten an irgendwelchen Präsenzveranstaltungen teilzunehmen, fand ich es sehr erfreulich, dass der Umweltreferent von Niedersachsen (TLN e.V.), Wolfgang Schuster, einen SK Meeresbiologie vom 15. - 17.10.2021 an der Ostsee angeboten hat.

Der Campingplatz ist direkt am Meer, sodass man sich in der Hütte umziehen und zum Steg laufen kann. Dort stehen auch Tische zum Anrödeln. Der Strand ist flach, sandig und war voller bunter Seesterne. Sehr taucherfreundlich ist der Campingplatz, denn man kann die Flaschen direkt am Strand auffüllen. In dem kleinen Shop können Taucher die nötigen Erstatzteile, aber auch leckere Brötchen am Morgen bekommen.

Schon am Freitagabend gab es die erste Theorieeinheit über Wirbeltiergruppen der Ostsee, den Zusammenhang von Brackwasser mit unterschiedlichen Süß- und Salzwassergehalten und deren Artenvielfalt, Säugetiere und Fische der Ostsee, sowie ihre Gefährdung.

Die Säugetiere in der Ostsee sind alle stark gefährdet. Die Kegelrobbe ist mit bis zu 250 kg das größte Raubtier Deutschlands. Sie kann bis zu 300 m tief tauchen. Der Seehund war Mitte des 19 Jh. fast ausgestorben, weil Fischer die Seehunde für Konkurrenten hielten und stark bejagt haben. Heute gibt es leider nur noch 250 Seehunde in der Ostsee,  dafür aber 40.000 in der Nordsee. Von der Ringelrobbe gibt es noch bis zu 10.000 in der nördlichen Ostsee, im 19 Jh. gab es allerdings noch Hunderttausende.

Auch der Schweinswal hat nur noch einen Bestand von etwa 400 Tieren. Gefahren für ihn sind Netze und schnelle Fähren. Die Färbung des Schweinswals ist ein Beispiel für Konterschattierung, sodass er von oben und unten gut getarnt ist.

Angeblich gibt es auch Haie und Rochen in der Ostsee, wie Heringshai, Katzenhai, Dornhai, Sternrochen und Nagelrochen, aber von den Anwesenden hatte noch niemand einen in der Ostsee gesehen. Interessant bei der Fortpflanzung von manchen Haien ist, dass sich schon die Embryos im Mutterleib gegenseitig auffressen. In früheren Zeiten wurde aus Haihaut Schmirgelpapier hergestellt, sie wurden zu Dünger verarbeitet oder als Heilmittel gebraucht.

Bis heute ist es leider so, dass der Handelsname eines Fisches nicht die Fischart bezeichnet. Besonders Haie und Rochen landen unter irreführenden Namen im Handel. Haie werden zum Beispiel als Seeaal, Schillerlocke oder Steinlachs verkauft. Dadurch kann man unfreiwillig zur Reduktion gefährdetet Arten beitragen.

Heringe waren früher so häufig, dass sie sowohl das wichtigste Handelsgut der Hanse waren, als auch Nahrung der armen Leute. Der Dorsch oder Kabeljau kommt in der ganzen Ostsee vor. Weiter gibt es noch Plattfische wie die Scholle.

Eine Gefahr ist der veränderte pH-Wert, die Toleranz der Arten ist sehr unterschiedlich und ihr Vorkommen ist ein Indiz für diesen. Zuviel Nitrat und Phosphat, die über die Landwirtschaft oder ungenügend geklärte Abwässer in Flüsse und damit auch ins Meer gelangen, belasten die Wasserqualität und reduzieren die Artenvielfalt.

Der Klimawandel bedroht auch Europa und seine Meere, denn der Golfstrom, der in Europa für ein gemäßigtes Klima sorgt, wird durch diesen abgeschwächt. Dies gilt auch für den Jetstream, Winde in 10 km Höhe. Auch die Schmelze der Eiskappen verändert das Wasser der Meere, das so nicht nur ansteigt, sondern auch mehr Süßwasserzufluss bekommt. Wärmeres Wasser dehnt sich außerdem mehr aus. Deutsche Küstenregionen müssen mit höheren Fluten rechnen.
Wenn es tatsächlich zu einem Abriss des Golfstroms kommen würde, würde dies dramatische Veränderungen bedeuten.

Das Tauchen in der Ostsee hat Spaß gemacht, vom Steg aus kam man gut ins Wasser. Es gab eine leichte Strömung nach Süden, die Sicht war unterschiedlich, es gab unglaublich viele verschiedenfarbige Seesterne, aber auch Feuerquallen, Schollen, Einsiedlerkrebse, Seepocken und Seeanemonen.
Bei den Tauchgängen und von Land aus haben wir Wasserpflanzen, Algen und Tiere gesammelt, die Art bestimmt und anschließend wieder zurückgebracht.

Wir waren in zwei Hütten untergebracht und hatten ein sehr lehrreiches, schönes Wochenende.
Sarah Howald und Erik Gutzmann haben neben Wolfgang Schuster referiert.
Einen herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an die Drei!

Julia Schmenk, LVST Fachbereich Wissenschaft und Umwelt
Einsiedlerkrebs mit PolypenEinsiedlerkrebs mit Polypen FeuerqualleFeuerqualle Einsiedlerkrebs mit SeepockenEinsiedlerkrebs mit Seepocken

StegSteg StrandkörbeStrandkörbe StrandStrand

SeesterneSeesterne noch mehr Seesternenoch mehr Seesterne SeeanemoneSeeanemone

ScholleScholle Scholle von vorneScholle von vorne SonnenuntergangSonnenuntergang